Der Mont-Ventoux, höchster allein stehender Berg im Landesinneren von Frankreich und majestätische, von Winden gepeitschte Pyramide, kann sich mit seiner weissen Einsamkeit, durch Schnee im Winter und Steinen im Sommer, je nach seinem Willen liebens- oder verabscheuungswürdig zeigen.
Der "Riese der Provence", trägt in sich die Charakterzüge der Provenzalen. Sie selbst sind verführt und fasziniert von seinem Mysterium: grosszügig durch die Sonne, die seine Flanken einen Grossteil des Jahres überflutet und durch die Weite und die Schönheit des Ausblicks am Gipfel; Exzessiv in seiner erschreckenden Trockenheit im Gipfelbereich wo nur noch Steinwüste herrscht, in seinen Hängen die den Bergfahrern keine Atempausen gönnen, in seinen brütend heissen Sommern und Polarwintern, redselig mit seinem über den Bergkamm fegendem Mistral, liebenswert mit den Düften der ihm umgebenden mediterranen Vegetation, schliesslich geheimnisvoll durch die Erfahrung der Höhe und das Gefühl der Einsamkeit das er hervorruft.

Als Mekka des Radsports ist der Mont-Ventoux das Stelldichein für viele Radtouristen, die sich jedes Jahr an seinem Anstieg versuchen. Der Aufstieg zum Gipfel des Mont-Ventoux über den Nordhang, wie auch über die, in Sault startende und am Chalet Reynard endende Strasse ist sehr malerisch. Dennoch, von den 3 zum Gipfel führenden Strecken, bleibt die über den Südhang führende sicher die renommierteste, da sie die älteste und vor allen die spektakulärste ist. Diese Strasse, 1882 erbaut, beginnt in Bedoin in einer Höhe von 296 m um nach 21.5 km auf 1909 m Höhe den Gipfel des Riesen der Provence zu erreichen. Auf der Seite von Malaucène findet sich ein Höhenunterschied von 1559 m auf einer identischen Länge.
Nachdem man das schöne kleine Dorf von Baux passiert hat, durchquert die Strasse erst Sainte-Colombe, dann Les Bruns. Ab der berühmten Kurve von Sainte-Estève wird der Anstieg steiler, steigt im Erosionstal Rolland bis zu dessen Ursprung. Dort, die Zedern, Steineiche, Föhren und Buchen hinter sich gelassen, erwartet uns eine andere Welt. Das Chalet Reynard passiert, schwenkt die Strasse in Richtung Westen ab und setzt den Aufstieg über ausgedehnte, von den Elementen gebleichte weite Steinwüste fort.
Nun seine Spur suchend, auf der Strasse, von Windung zu Windung, von Senke zu Senke sich einen Weg zum Himmel bahnen. Am Col des Tempêtes, einer Scharte, wo der Wind mit unerbittlicher Gewalt weht, ist der Gipfel ganz nah. Sein Zugang ist mit einer allerletzten Anstrengung verbunden, die letzte Kurve vereinigt in sich noch einmal die ganze Intensität Kletterns. 1600 Höhenmeter in weniger als 22 km Entfernung. Einige dürften schon verstanden haben...
Diese heftige Kraftanstrengung wird mit dem Anblick eines fulminanten Panoramas belohnt. Vom Mont-Blanc zum Mittelmeer und von den Monts de Vaucluse zu den Cévennes, erstreckt sich die Aussicht über eine, in ihrer Schönheit, Vielfältigkeit und Weite einzigartige Landschaft. Die Ebene des Comtat zu unseren Füssen, die Rhône zu einem langen Silberfaden verwandelt, ein wenig entfernt der Lubéron und die sich zum Meer hin kräuselnden Alpillen, hinter uns zum Greifen nahe die grossen Gipfel der Alpen.

Wie an allen aussergewöhnlichen Orten kann sich, wenn Regen und Nebel zur Stelle sind, die Freude des Aufstieg und die Schönheit des Schauspiels aber auch in eine echte Prüfung verwandeln. Der schwierige Aufstieg wird so eine Heldentat und allein das Erreichen des Gipfels ein Sieg. Auf dass der Ruf des Mont-Ventoux, seine Schönheit und die Schwierigkeit des Anstiegs jeden einmal dazu bringt eines Tages seine Hänge zu erklettern. Da die Hauptsache in der Freude am Gipfel und der Ergriffenheit vor dem Schauspiels der unendlichen Weiten liegt, ist es egal in welcher Zeit man den Gipfel erreicht.

Bernard MONDON
Association Sportive de la Police Parisienne


Mont-Ventoux

Wiki
 
Höhe
1912 m
 
Gebirge
Provenzalische Voralpen
 
Koordinaten
44° 10′ 00″ Norden
5° 16′ 60″ Osten
 
Land
Frankreich
 
Region
Provence-Alpes-Côte d'Azur
 
Regierungsbezirk
Vaucluse
 


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